Ravensbrueck Gedenkkugel Foto Konstanze GerhardDie Initiative "Autonome feministische FrauenLesben aus Deutschland und Österreich" setzt sich seit langem dafür ein, eine Gedenkkugel für die „verfolgten und ermordeten lesbischen Frauen im ehemaligen Frauenkonzentrationslager Ravensbrück dauerhaft zu verankern’. Mittlerweile haben 519 Personen und Organisationen aus 27 Ländern unterschrieben! Vielen Emails waren interessante und berührende Geschichten und Ermunterungen angehängt. 

 

Am 19. Mai 2016 hatte auch das Internationale Ravensbrück Komitee (IRK) auf der Jahrestagung in Wien entschieden, den Antrag auf Niederlegung der Gedenkkugel zu unterstützen. Die lange, beeindruckende Unterschriftenliste war - wie angekündigt - dem offiziellen Antrag beigefügt.

Auszug aus dem offiziellen Antrag

„Entsprechend der Leitlinien der Mahn- und Gedenkstätten Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten ... beantragen wir wie folgt eine Gedenktafel bzw. ein Erinnerungszeichen mit der Inschrift:

In Gedenken aller lesbischen Frauen und Mädchen im Frauen-KZ Ravensbrück und Uckermark. Lesbische Frauen galten als „entartet“ und wurden als „asozial“, als widerständig und ver-rückt und aus anderen Gründen verfolgt und ermordet. Ihr seid nicht vergessen!

Eine Entscheidung wurde verschoben

Die Gremien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten haben eine Entscheidung zurückgestellt. Sowohl in der Sitzung des Internationalen Beirats am 14. November 2016 als auch in der Fachkommission am 6. Dezember 2016 gab es sehr kontroverse Diskussionen.

Eine endgültige Entscheidung wurde auf den 5. Mai 2017 verschoben.

Der Beschluss der Beiratssitzung lautet: „Nach intensiver und kontroverser Diskussion kann derzeit kein Beschluss für oder gegen den Antrag gefasst werden. Kompromisse wären der frühere Konsensvorschlag oder die Nennung konkreter Namen.“

Der frühere Formulierungsvorschlag aus dem Jahr 2011 lautete:

„Im Gedenken an lesbische Frauen, die aus politischen, religiösen, rassistischen oder sozialen Gründen im KZ Ravensbrück in den Jahren 1939-1945 inhaftiert waren.“

Der Formulierungsvorschlag war entstanden, nachdem der LSVD Berlin-Brandenburg und weitere Verbände bereits vor einigen Jahren einen Antrag zur Anbringung einer Gedenktafel für lesbische Häftlinge in Ravensbrück gestellt hatten. Diesen hatte der Beirat in seiner Sitzung am 26. November 2012 abgelehnt.

Die Initiative "Autonome feministische FrauenLesben aus Deutschland und Österreich" hat diese Formulierung diskutiert, beantragt aber weiterhin, die von ihnen verfasste Inschrift.

Gegner der Gedenkkugel

Insbesondere der Vertreter der Opfergruppe der Homosexuellen im Beirat, Alexander Zinn, hat sich vehement gegen den Antrag der Initiative "Autonome feministische FrauenLesben aus Deutschland und Österreich" ausgesprochen. Alexander Zinn hatte bereits im Streit um das Homomonument in Berlin einen öffentlichen Brief (März 2010) verfasst, um zu verhindern, dass damit auch lesbischen Frauen im Nationalsozialismus gedacht wird. In einer Stellungnahme an den Beirat schreibt er zwar, dass „die NS-Machthaber auch die weibliche Homosexualität ablehnten“, diese jedoch nicht verfolgt worden sei, da sich der §175 nicht auf lesbische Frauen bezog. Den Wunsch nach einem sichtbaren Zeichen des Gedenkens an lesbische Frauen bezeichnet er als das Schaffen der „Legende einer Lesbenverfolgung“, die sich auf „zweifelhafte Einzelfälle“ stütze, „unseriös“ sei und „Geschichtsklitterung“ und „eine vollkommen unakzeptablen Instrumentalisierung der Geschichte für aktuelle politische Interessen“.

Die Initiative ,,Autonome feministische Frauenlesben aus Deutschland und Österreich“ habe „durch ihr Handeln demonstriert, dass sie nicht bereit ist, die Beschlüsse des Beirats zu akzeptieren... und habe „bei der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung im April 2015 einfach ein „wildes Gedenkzeichen“ niedergelegt. Andererseits sei auch der offizielle „Antrag ein Affront gegenüber dem Beirat“.

Die Initiative ,,Autonome feministische Frauenlesben aus Deutschland und Österreich“ ist sehr enttäuscht über diese Entscheidung, aber auch erbost und entsetzt über den abwertenden Umgangston und die Ignoranz und Verleugnung der Verfolgung von lesbischen Frauen.

Sie wird sich dafür einsetzen, dass derAntrag bei der nächsten Beiratssitzung am 5. Mai 2017 positiv entschieden wird. Es braucht das weitere gemeinsame Engagement, um die Gedenkkugel für die „verfolgten und ermordeten lesbischen Frauen im ehemaligen Frauenkonzentrationslager Ravensbrück dauerhaft zu verankern“.

Aufruf zu Protestschreiben

Wenn ihr eigene Kommentare oder Proteste an den Internationalen Beirat senden wollt:

Postalisch:

Stiftung Brandenburgische Gedenkstätte
z.Hd. internationaler Beirat, Vorsitzender Thomas Lutz
Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Heinrich-Grüber-Platz 1 - 3
16515 Oranienburg
Deutschland

E-Mail: info@stiftung-bg.de 

Schickt bitte auch eine Kopie an: Gedenkkugel@gmx.de 

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